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Sehr verehrte Kolleginnen, liebe Kollegen!
Nur wer sich ändert, bleibt sich treu!
(Habermas)
Prof. Dr. med. H.-P. Bruch
Die Kunst des Lebens scheint darin zu liegen, das rechte Maß zu finden, das Bewahrenswerte zu erhalten und es doch mit Neuem zu ergänzen – Teile zu ersetzen, wo dies notwendig erscheint – und Tradition und Fortschritt in rechter Weise zu verbinden.
Genau dies spiegeln die Strukturen in der Coloproktologie wider. Die Chirurgische Arbeitsgemeinschaft Proktologie, damals noch Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie, wurde, lange nachdem sich die Coloproktologie auf internationalem Parkett etabliert hatte, zur Chirurgischen Arbeitsgemeinschaft Coloproktologie weiterentwickelt. Damit emanzipierte sich die Arbeitsgemeinschaft und durfte ihr Interesse auf das Gesamtsystem des unteren Gastrointestinaltraktes ausdehnen – dies mit dem freundlichen Hinweis, die Malignome ausklammern zu wollen.
In der Zwischenzeit hatten sich vollkommen unabhängige, fachübergreifende Strukturen in Deutschland gebildet – die Deutsche Gesellschaft für Coloproktologie und der entsprechende Berufsverband. Es ist Visionären wie Dr. Jens Kirsch und anderen zu danken, dass die Annäherung zwischen der Deutschen Gesellschaft für Coloproktologie und der Chirurgischen Arbeitsgemeinschaft Coloproktologie in Würzburg grundgelegt werden konnte. Unterdessen leben die CACP, der Berufsverband und die Deutsche Gesellschaft für Coloproktologie mit wachsendem Erfolg die Gemeinsamkeiten, ja, sie schicken sich an, mit der Kontinenzgesellschaft dem umfassenden Anspruch der „drei Kompartimente“ gerecht zu werden.
Für Alle sichtbaren Ausdruck findet die Kooperation in der gemeinsamen Zertifizierung von Kompetenz- und Referenz-, vielleicht bald auch Exzellenzzentren unter dem Dach der wissenschaftlichen Gesellschaft, die von der DGVC zur DGAV mutierte.
Die Strukturen haben sich der Zeit angepasst, aber auch die wissenschaftlichen Inhalte verändern sich laufend und entwickeln sich möglicherweise gerade heute mit großer Geschwindigkeit weiter.
Unser Verständnis für die Ursachen der entzündlichen Darmerkrankungen hat zugenommen, die Erkenntnisse werden sicher in absehbarer Zeit in die Diagnostik, aber auch in die Therapieentscheidungen Eingang finden.
Auch unsere Wissensbasis zur Tumorentstehung, den Tumorstammzellen und der Metastasierung hat sich stark verbreitert.
Chip-Technologien zur Tumorfrüherkennung scheinen zum Greifen nahe. Radiotherapeutische und onkologische Regimes werden sich anpassen und unter dem Eindruck neuer Erkenntnisse wahrscheinlich erheblich ändern müssen.
Chirurgische Eingriffe werden zunehmend minimalinvasiv. Unter dem Eindruck von NOTES könnte eines Tages der konservative und operative Viszeralmediziner entstehen. Navigation und Robotik nähern sich dem Entwicklungsstadium, das eine sinnvolle Anwendung im Operationssaal erlaubt. Nie war Chirurgie so interdisziplinär eingebunden, selten spannender als heute. Dies darzustellen, Entwicklungslinien, Möglichkeiten und Grenzen aufzuzeigen, ist unser Ziel. Wir sind überzeugt, dass wir diesem Ziel mit der Unterstützung engagierter, hochangesehener Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler näherkommen werden.
Es wird uns eine Freude sein, Sie zur Jahrestagung der Chirurgischen Arbeitsgemeinschaft Coloproktologie in Lübeck begrüßen zu dürfen.
Herzlichst, Ihr
Prof. Dr. med. H.-P. Bruch
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